Die Trendebenen-zähl-Methode (TzM)

„Beständig duplizierbar traden“ ist die überall und als besonders wichtig markierte Empfehlung für erfolgreiches Trading. Jedoch muss ich, bevor ich beständig und duplizierbar traden kann, genauso beständig und duplizierbar analysieren. Ich hatte zum Thema bereits einen Erfahrungsbericht geschrieben und mich selbst immer tiefer in diese Problematik hineingearbeitet.

Um diesen Artikel verstehen zu können, setze ich die Kenntnisse über folgende Inhalte voraus:

  1. Trend, Trendbruch und Umkehrsignale – hauptsächlich die Trenddefinition
  2. Der Trend: ab wann ist der Trend ein Trend?
  3. Korrektur – Regression
  4. Trendebenen
  5. Progressionsphasen

Vorabanmerkung:

Es lohnt wirklich sehr, sich in dieses Thema einzuarbeiten. Nach der Aneignung des Großthemas Trend, Trendebenen und Ebenen-zähl-Methode ist der Trader in seinen Analysen treffsicherer, was die Bestimmung der Wahrscheinlichkeit einer Kursverlaufsrichtung angeht.

Ebenen-zähl-Methode

Zur Erläuterung lege ich den Kursverlauf des DAX vom 23.04.2014 zu Grunde. Das ist zwar nicht gerade der ideale Verlauf eines Kurses für diese Beschreibung, aber er ist real.

Ebene 0

Ich beginne in der mir größtmöglich zur Verfügung stehenden Zeiteinheit (zeitliche Zusammenfassung des Kursverlaufes), dem Monatschart, die großen Hoch- und Tiefpunkte zu markieren. In meinen erklärenden Grafiken markiere ich lediglich mit farbigen Punkten, während ich in meinen Analysen mit den Kürzeln:

  • E = Ebene + Zahl als Nummer der Zählung in sich verschachtelter Ebenen
  • P = Progressionspunkt + Zahl als fortlaufende Nummerierung
  • R = Regressionspunkt + Zahl als fortlaufende Nummerierung

arbeite.

Die Ebene 0 ist die Ausgangssituation. Von da an beginne ich mich in den Kursverlauf hinein zuarbeiten. Diese Notwendigkeit wird jedem klar, wenn er das gesamte Thema verstanden hat.

Der letzte komplette Bewegungsarm der Ebene 0 wird markiert, in meiner Grafik ist das der grün markierte Bereich, und in einer kleineren Zeiteinheit detaillierter analysiert.

Welche Zeiteinheit? Das ist sekundär. Meistens wird es der Wochenchart sein. Die nächst kleinere Zeiteinheit muss so gewählt werden, dass der zu analysierende Kursverlauf auf gut sichtbare inne liegende Hoch- und Tiefpunkte untersucht werden kann. Folge am besten meinen erklärenden Grafiken und du wirst verstehen. Übrigens gilt diese Vorgehensweise in jeder weiteren Skalierung.

An der Stelle solltest du bereits notieren oder dir ganz einfach merken, welche Hauptrichtung der Kursverlauf gerade hat. Zum Beispiel: E0, Progression in Progressionsphase 2, Long.

Trendebenen-zähl-Methode (TzM) Chart 1

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Ebene 1

Die Ebene 1 wird nun ebenfalls auf die relativ großen Hoch- und Tiefpunkten untersucht. Diese werden gemäß der Trenddefinition unter Berücksichtigung der jeweils gültigen Korrekturen entsprechend markiert.

Der letzte komplette Bewegungsabschnitt, also der Bereich zwischen dem letzt gültigen Regressions- und Progressionspunkt inklusive des Kursverlaufsende wird wieder markiert. In meiner Grafik ist dies wieder der grün markierte Bereich. Der darin liegende Verlauf ist die nächst kleinere Trendebene und wird von mir im Tageschart weiter untersucht.

Auch hier musst du dir die absolut letzte Verlaufsrichtung merken oder notieren. In meinem Beispiel wechselt die Kursverlaufsrichtung von Progression bzw. Bewegung in eine Regression bzw. Korrektur. Diese Korrektur wird in der nächst weiteren Einskalierung als Hauptrichtung Short angenommen. Somit beginnt die Analyse kniffliger zu werden.

Trendebenen-zähl-Methode (TzM) Chart 2

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Ebene 2

Die anzuwendende Systematik müsste langsam verständlich werden. In der Ebene 2 markiere ich wieder die relativ großen Hoch- und Tiefpunkte. Dabei stelle ich einen Richtungswechsel der Trendebene 2 fest. Übergeordnet ist das eine gültige Korrektur der Ebene 1.

Korrekturen sind generell schwieriger zu traden. Da wir aber erst im Tageschart sind, solltest du als Daytrader diese Situation lediglich verinnerlichen. Deine Taktiken sollten entsprechend ausgerichtet sein.

Wieder markiere ich den letzten gültigen Bewegungsabschnitt zwischen dem Progressions- und Regressionspunkt inklusive dem abschließenden undefinierten Kursverlauf. Die nächste Einskalierung ist in meinem Beispiel der 3-Stunden-Chart.

Praxistipp:

In meiner Grafik ist der letzte, vom Kursverlauf noch nicht definierte Tiefpunkt, die erste identifizierte Unsicherheit. In dieser Marktphase kann mich kein Regelwerk der Welt dazu bringen einen Einstig zu realisieren. Der korrektive Shortverlauf gibt mir an der Stelle Grund zur Annahme, dass der Kurs wieder Long gehen könnte. Mein Richtungsgeber sagt aber das Gegenteil.

Trendebenen-zähl-Methode (TzM) Chart 3

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Ebene 3

Hier wiederholt sich in der Herangehensweise das vorher beschriebene. Ich markiere die größeren Hoch- und Tiefpunkte gemäß der Trenddefinition, der gültigen Korrektur und der Trendebenendefinition. Das ganze natürlich in die jeweilige Kursverlaufsrichtung.

Der letzte Bewegungsabschnitt des Kurses hat noch keine Schlussdefinition innerhalb der Ebene 3. Darum markiere ich jetzt den kompletten abwärts gerichteten Bewegungswechsel zwischen Progression und Regression inklusive der aufwärts gerichteten Schlussbewegung für die nächste Einskalierung. In meinem Beispiel dann der Stundenchart.

Praxistipp:

In meiner Grafik sichtbar, wird die Korrektur der Ebene 2 gültig korrigiert. Die erwartete Progression abwärts bleibt vorerst aus. Danach verläuft der Kurs sehr impulsiv aufwärts. Zumindest schneller und geradliniger als vorangegangen abwärts. Das ist ein „zarter Indiz“ für einen übergeordneten Long. Ich bleibe an der Stelle dennoch flat.

Trendebenen-zähl-Methode (TzM) Chart 4

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Ebene 4

Die Hoch- und Tiefpunkte der Ebene 4 markiere ich „nur“ im unfertigen Bewegungsabschnitt der Ebene 3. Danach markiere ich wieder den letzten Bereich zwischen dem letzten gültigen Regressions- und Progressionspunkt der Ebene 4 mit einem grünen Viereck im Untergrund.

Zum letzten Mal skaliere ich nun in diesen Bereich hinein. Sollte ich im 10-Minuten-Chart handeln wollen, wäre die Ebene 4 meine Großwetterlage und würde mir die Long-Richtung vorgeben.

Trendebenen-zähl-Methode (TzM) Chart 5

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Ebene 5

Ich bin auf diese Art in der für mich kleinsten handelbaren zeitlichen Zusammenfassung bzw. Zeiteinheit angekommen. Meine Handelsrichtung wäre Long. Aber ich entscheide nicht „nur“ auf Grundlage einer übergeordneten Trendebene. Weiter übergeordnet habe ich deutlich gesehen, warum ich momentan besser beraten bin den Kursverlauf lediglich zu überwachen. Als kritischer Beobachter warte ich auf einen besseren Zeitpunkt für einen Trade.

Trendebenen-zähl-Methode (TzM) Chart 6

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Fazit

Mit der Trendebenen-zähl-Methode benötige ich in etwa 20 bis 40 Minuten pro Markt für eine gründliche Analyse. Aber die Genauigkeit lohnt sich.

An der Stelle wird deutlich, warum „enge Regelwerke“ in Anwendung ohne Sach- und Fachverständnis lange Verlustzeiten mit sich führen können.

Die Schlagworte Beständigkeit und Duplizierbarkeit sind nur mit ausreichenden Kenntnissen über Trend, Trendaufbau und die in sich verschachtelten Trendebenen mit ihren jeweils gültigen Korrekturen ertragreich.

Ich vergleiche mein Trading in Anwendung der Trendebenen-zähl-Methode (TzM) gerne mit dem Skatspiel. Kenne ich beim Skat gerade erst die Spielregel, brauche ich sehr viel praktische Spiele um in einem Skat-Turnier bestehen zu können. Beim Skat gibt es keine stupiden Regelwerke die es gilt strikt einzuhalten um nicht zu verlieren. Aber ich habe eine Strategie mit mehreren Taktiken die ich immer wieder zur Anwendung bringe, um nicht zu verlieren. Ich behaupte, zum Trading gibt es Parallelen.

Das Video zum Fachartikel

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